Die Stärke eines Nein
Über Zusagen spricht man gern. Über Absagen fast nie. Dabei haben mich meine Neins mindestens so sehr geprägt wie meine Jas. Jedes Nein zu etwas Mittelmäßigem hält Platz frei für etwas Gutes – an Zeit, an Kraft und an Geld.
Nein zu sagen fällt schwer, gerade wenn man schon viel Zeit in eine Sache gesteckt hat. Man hat besichtigt, gerechnet, verhandelt, vielleicht schon davon geträumt. Aber bereits investierte Zeit ist kein Grund, noch mehr hineinzustecken. Eine Absage am richtigen Punkt ist kein Scheitern, sondern das Ergebnis guter Prüfung.
Ich habe mir deshalb angewöhnt, meine Ausschlussgründe vorher festzulegen – bevor ich emotional beteiligt bin. Das macht die Entscheidung im entscheidenden Moment leichter und ehrlicher.
Wann ich Nein sage
- Wenn die Rechnung nur aufgeht, solange alles gut läuft.
- Wenn Zeitdruck das stärkste Argument ist.
- Wenn ich das Vorhaben nach mehreren Gesprächen immer noch nicht einfach erklären kann.
- Wenn mein Bauchgefühl gegenüber den beteiligten Menschen nicht stimmt.
- Wenn ich es nur tun würde, um mir oder anderen etwas zu beweisen.
Ein freundliches, klares Nein ist übrigens auch eine Form von Respekt. Es spart dem Gegenüber Zeit und Hoffnung. Die meisten Menschen schätzen das mehr als ein endloses Vielleicht.